Unsere Sozialkompetenz in der Kontaktanbahnung
Stellen Sie sich vor wir wären im realen, anstatt einem virtuellen Raum. Stellen wir uns weiter vor, wir wären auf einem Wirtschaftskongress, Cocktailparty, Vernissage oder anderen Veranstaltung in der Realität.
Üblicherweise würden wir uns beim ersten Kennenlernen unterhalten, Smalltalk machen und wenn wir Glück haben, kommunikativ gut drauf sind, auf der gleichen Wellenlänge mit unserem Gegenüber sind, erfahren wir auch mehr über die Person. Das nennt man auch Networking.
Die “Trophäe” eines solchen gut gestalteten ‘situativen Smalltalks’ ist mindestens eine Visitenkarte.
Perfekt wäre es den kommunikativen Sog so zu verdichten, dass unser Gegenüber uns nach der Visitenkarte fragt und nicht umgekehrt. Aber selbst wenn unsere Kommunikation schlecht sein sollte, das Bekommen einer Visitenkarte ist ein Standard.
Lassen Sie uns einen Vergleich mit dem Gebaren erhaltener Kontakt-/Freundschaftsanfragen, als auch Antworten auf unsere Anfragen in sozialen Netzwerken wie XING, Facebook, LinkedIn & Co. wagen. Am Beispiel des Businessnetzwerkes der XING AG.
- Die Standardkontaktanfrage “Sehr geehrter Herr Shah, ich würde Sie gern zu meinen Kontakten hinzufügen.” könnte man so verstehen. Ihre Visitenkarte inkl. Telefonnummmer und E-Mail-Adresse möchte ich gerne haben, aber an einem Gespräch, wie es in der realen Welt schon aus Höflichkeit selbstverständlich ist, bin ich nicht interessiert, weil ja schon alles in Ihrem Profil drinsteht.
- Die XING Standardkontaktbestätigung “Gerne bestätige ich Ihre Kontaktanfrage. Herzlich willkommen in meinem Netzwerk! Freundliche Grüße,” könnte folgendes sagen: Jetzt hab ich Ihre Visitenkarte. Mehr wollte ich eh nicht. Herzlich Willkommen in meiner Ablage.
Aber mal Hand aufs Herz:
- Entstehen so in Ihrer Realität zukünftige Geschäftspartner oder gar echt zahlende Kunden?
- Kennen Sie ‘Freundschaften’ ohne Kommunikation? (Facebookfreundschaftsanfragen sind zu 99,9% leer)
Wenn ja, dann bleiben Sie dabei. Aber bitte nicht mit bei mir anfragen.
Wenn nein, dann nehmen Sie sich zukünftig bitte soviel Zeit, dass etwas entstehen kann.
- Der erste Eindruck ist häufig der Wichtigste. Entscheiden tut das der ‘Bauch’ in Bruchteilen von Sekunden.
- Gibt es persönliche, berufliche oder sonstige Gemeinsamkeiten, Impulse oder Anknüpfungspunkte?
- Lassen Sie Ihr Gegenüber wissen, was den Impuls ausgemacht hat, anzufragen / zu bestätigen!
Der erste Kontaktmoment ist auch in Social Media einer der wichtigsten und entscheidenden Augenblicke für den Verlauf eines möglichen gemeinsamen zukünftigen Networkings.
- Networking ist nur eine ‘Episode’ des gesamten Akquiseprozesses, nicht Akquise selber
- Qualifikation eines Kontaktes ist niemals wieder so leicht, wie zu diesem ersten Augenblick
- Ein Kontakt ohne Kommunikation bleibt sehr wahrscheinlich immer nur ein Datensatz
Mehr zum Thema auch im Blog von Joachim Rumohr dem XING-Experten “Nur noch 0/8/15 Kontakte bei XING?”. Übrigens hier die Hintergründe zur Einführung vorformulierter Standardtexte durch Christian Burtchen (Technischer Redakteur der XING AG)
In Tests und User-Befragungen kam dabei heraus, dass das ständige Formulieren von Texten für die Kontaktanfragen ein enormes Hindernis ist, welches die Anzahl der tatsächlich geschickten Kontaktanfragen und mithin langfristig die “XING-Biografie” eines Mitglieds negativ beeinflusst.
Gerade kurz nach der Registrierung ist es ja oft so, dass man Kollegen oder Verwandte – vielleicht auch aus der Liste “Mitglieder, die Sie kennen könnten” – hinzufügt, für die es nicht vieler Erklärungen bedarf. Wir gehen davon aus, dass erfahrene Netzwerker auch weiterhin einen personalisierten Text formulieren für ihre Kontaktanfrage.
Tags: Facebook, Social Media communication, XING








Dezember 9th, 2010 at 22:08
Hallo Herr Rajiv Shah,
ich bin mal gespannt, ob ich Ihrer Aufforderung nachkomme, mit Ihnen zu telefonieren. Vielleicht weil ich dann manchmal doch lieber klein, fein und übersichtlich für mich selebr agiere, andere hingegen geren groß stupse. Ich weiß auch noch nicht wirklich wie und wobei Sie mir weiter helfen können.Grundsätzlich gefällt mir aber Ihr Ansatz gut. Wir schauen was passiert…
Herzliche Grüße
Juliane Crefeld
Dezember 13th, 2010 at 09:24
Guck mal:
http://blog.oliver-gassner.de/archives/4721-Inhaltsleere-Kontaktanfragen,-ein-Dramolett.html
(& Ist optisch schon besser)
Dezember 14th, 2010 at 08:35
Eben so isses.
Es muss sich ja nicht immer sofort eine Fortsetzung ergeben; und auch wenn sich später nichts ergibt ist das nicht schlimm; schlimm ist das öde Desinteresse, das einen bloss rein mechanisch als Karteileiche in die Sammlung irgendeines Kontektesammlers einfügen will.
Früher pflegte ich Kontakte, die nicht bereit waren, wenigstens ein paar Worte zu wechseln und auf persönliche Anschreiben nicht reagierten, sofort wieder zu löschen; und auch aus Gruppen, in die ich mich partout nicht einbringen konnte und auch nichts interessantes entdeckte, wieder auszutreten. Inzwischen isses mir egal; und bei Xing existier ich als reine Karteileiche.
Möglich, dass die Kommunikationsfähigkeit, die Fähigkeit, gegenseitiges Interesse zu entwickeln, inzwischen generell so heruntergekommen ist, dass auch soziale Netzwerke nix mehr helfen können.
Gruss
Raymond